Saison 2021 mit neuem Faltprop eröffnet – und das bereits am 07. März!

Wir schreiben den 07. März 2021. Nie im Leben hätte ich daran geglaubt, dass ich jemals so früh im Jahr die Flugsaison eröffnen könnte. Nicht bei uns und schon gar nie nicht auf der Nordhalbkugel. Schließlich hatte ich ja in den letzten 50 Jahren noch niemals nicht das unverschämte Vergnügen, zu dieser frühen Jahreszeit meinen Hintern in die Luft zu bekommen. Und bei strahlend blauem Himmel, schönstem Sonnenschein und angenehm warmen Frühlingstemperaturen, meldete sich auch die Frühjahrsthermik bereits deutlich zu Wort.
Wettertechnisch hätte ich die Saison 2021 sogar schon in der letzten Februarwoche eröffnen können, aber leider war zu diesem Zeitpunkt meine Kilo-Bravo noch nicht flugbereit. So konnte ich das unerwartet gute Wetter noch nicht für erste Flüge nutzen, dafür aber endlich meinen Faltpropeller mit neuer Propellernabe und Scheibenbremse auf den Propellerantrieb schrauben. Saisonbeginn bereits zwei bis drei Monate früher als befürchtet, das war doch schließlich auch schon was.
Lange hatte ich mir überlegt, wie und wo ich den Griff für die neue Scheibenbremse in meinem Cockpit anbringen könnte. Klar war dabei von Anfang an, dass ich das Original-Hebelfuhrwerk am Knüppel nicht länger haben möchte. Der Propeller-Bremsenhebel sollte weg vom Knüppel und irgendwie ergonomisch und gut erreichbar, an der Seite angebracht werden. Am sinnvollsten kristallisierte sich für mich die linke Cockpitseite heraus. Irgendwo vor/neben/hinter dem Gashebel schien der beste Platz zu sein. Also erst mal eine Sitzprobe mit Bremshebel in der linken Hand. Den muss ich im Flug problemlos und ohne Verrenkung erreichen und drücken oder ziehen können. Die richtige Platzierung war auf diese Weise dann auch bald gefunden. Die Schelle für die Knüppelbefestigung war schnell entfernt und ein geeigneter Aluwinkel für die seitliche Befestigung gebogen und verbohrt.


Inzwischen habe ich die Halterung jedoch noch etwas nachgebogen, so dass der Bremshebel jetzt leicht nach innen geneigt ist.
Irgendwie hatte ich von Anfang an das unbestimmte Gefühl, dass die Bremse bei Erhalt nicht richtig entlüftet war. Also habe ich mir vorsorglich schon mal eine kleine Flasche mineralisches Bremsöl sowie die für die Bremsenentlüftung notwendigen Uttensilien bestellt.
Der Faltprop ist fliegerisch betrachtet natürlich eine feine Sache. Technisch betrachtet gefällt mir aber nicht, dass die Propeller-Zentralmutter erstens nicht mit Draht gesichert werden kann und zweitens, dass diese unsichtbar und damit völlig unkontrollierbar im Wellenschaft der Propellernabe verschwindet. Einzige Möglichkeit die Zentralmutter zu sichern, ist somit der ominöse Schraubenkleber. Doch diese Art der Schraubensicherung geht mir als langjähriger Luftfahrttechniker dann doch etwas gegen den Strich.


Also habe ich mir über die Wintermonate lange überlegt, wie ich die Propeller-Zentralmutter trotzdem vernünftig sichern kann. Die Lösung war ein maßgeschneidertes Sicherungsblech, das zwischen Polini-Propellerflansch und Faltpropeller-Flansch eingesetzt werden musste. Außerdem musste auf dem hinteren runden Bund der Zentralmutter ein Sechskant aufgefeilt werden, auf den dann die 3 mm starke Aluplatte mit Innensechskant im Zentrum, draufgesteckt werden kann.

Der Sechskant im Zentrum der Sicherungsplatte dient somit als Sicherung für die Zentralmutter, da sich das Sicherungsblech selbst, bedingt durch den Anpressdruck des Faltpropeller-Flansches und der sechs M8-Propellerschrauben, nicht verschieben kann. Klar, dass die sechs 8 mm-Bohrungen im Sicherungsblech natürlich erst angezeichnet und verbohrt worden sind, nachdem die Zentralmutter mit dem vorgegebenen Anzugswert festgezogen war.
Und so sieht die Sache dann aus, wenn die Propellernabe verschraubt und die Schrauben nach gültigen Luftfahrtnormen mit Sicherungsdraht gesichert sind.


In einem weiteren Schritt werde ich nach den ersten 10 Betriebsstunden die Propellernabe abbauen und überprüfen, ob das Sicherungsblech bis dahin die ordnungsgemäße Funktion der Muttersicherung erfüllt hat. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich aber davon aus, dass dem so sein wird.

Am Tag nach dem ersten Probelauf kam dann der vorhergesagte Wetterumschwung mit ein paar stark windigen Tagen, so dass ich erst mal wieder, in aller Ruhe mein bei den Arbeiten verbogenes Kreuz auf dem Heizkissen gerade biegen konnte.

Am 07. März 2021 dann die von den Meteorologen versprochene neuerliche Wetterumschwung mit frühlingshaften Tagestemperaturen, die mir die ersten Testflüge ermöglichte. Schon beim ersten Flug hat alles perfekt funktioniert, nur ließ sich der Propeller -wie bereits befürchtet- nicht zum Stillstand und damit auch nicht zum Zusammenfalten bringen. Nun gut, dann eben nicht. Die Bremse muss ganz einfach neu entlüftet werden. Bei dieser Gelegenheit werde ich dann auch die Bremsleitung um ca. 50 cm einkürzen, damit ich diese unterhalb der Sitzschale auf kürzestem Weg nach hinten führen kann. Schließlich wird eine geradelinige Leitungsführung die Bremsenentlüftung erheblich erleichtern.

Erste Landung nach 17 Minuten zum ersten Propeller-Check. Alles dran und alles fest. Bis auf die noch erforderliche Bremsenentlüftung also alles in bester Ordnung. Doch mit Bremsenentlüftung wollte ich dieses unverhoffte Hammerwetter wirklich nicht vergeuden. Basteln kann ich wieder, wenn das Wetter schlechter ist. Also starte ich zu meinem zweiten Flug an diesem Tag. Auch bei diesem zweiten Testflug läuft alles wie am Schnürchen. Der Motor reagiert sofort auf jede Veränderung des Schubhebels. Die Temperaturen sind perfekt im Sollbereich. So macht das Fliegen wieder richtig Spaß. Zur Sicherheit beende ich diesen zweiten Testflug nach 31 Minuten, um Motor und Propeller erneut am Boden gründlichst zu checken. Safety first!

Zufrieden tanke ich noch einmal nach und schon bin ich wieder in der Luft. Zum Abschluss des Tages soll es diesmal aber ein längerer Flug von mindestens einer Stunde werden. Großräumig umfliege ich die Altstadt von Schärding am Inn und folge dem Fluß bis kurz vor Passau. In einem großen Linksbogen geht es gemütlich auf deutscher Seite zurück in Richtung Flugplatz Schärding, wo ich nach 1:05 Stunden glücklich und zufrieden auf der Landebahn 32 ausetze und auf die Abrüstposition vor meinem Hänger rolle. Damit endet mein erster Flugtag 2021 nach drei wunderschönen Saison-Auftaktsflügen, bei immer noch sonnig-blauem Himmel. Und bei allen drei Flügen schnurrte mein kleiner Italiener insgesamt 1:52 Stunden wie ein zufriedenes Kätzchen.

Flugwetter wird es in den nächsten Tagen wohl nicht geben, so dass ich mit dem neuen Corona-Test noch ein paar Tage warten kann. Dann wird aber auch erst einmal die Bremsleitung gekürzt und eine richtige Bremsenentlüftung durchgeführt. Schließlich möchte ich in Zukunft endlich wieder thermisch und mit abgeschaltetem Motor unterwegs sein. So wie es sich für einen leidenschaftlichen Segelflieger auch gehört.

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4 Kommentare

  1. Hallo Klaus,
    schön, dass du so in die Saison starten kannst.
    Viele schöne Flüge!
    ______________________________________________
    Hallo René,
    danke für die guten Saison-Wünsche. Wünsche auch dir eine erfolgreiche Flugsaison 2021!!!
    Ja, hat bisher super geklappt. 12 Flüge mit insgesamt 9:11 Stunden im März, das ist schon mal recht vielversprechend. Und erstmals konnte ich nach mehreren Jahren -mittels meinem neuen Faltpropeller- auch alle Landungen mit abgestelltem Triebwerm und eingeklapptem Propeller als reine Segelfluglandungen durchführen. Endlich wieder „Segelflugfeeling“, an das man sich sehr schnell wieder gewöhnen kann.
    Werde über die kommenden Flüge berichten.

    Schöne Grüße aus Bad Füssing

    Klaus

  2. Hallo Klaus,
    als technisch interessierter Tüftler lese ich mit großem Interesse Deine konstruktiven und sinnvollen Veränderungen am Flieger. Mir geht es genau so mit meiner Silent FES. Ich habe viele Details verändert und optimiert. Das alles in diesem Kommentar unter zu bringen würde den Rahmen sprengen. Leider gibt es in der Silent FES Piloten Scene kein S-Y-E , somit können andere Piloten leider nicht von den Optimierungen profitieren. Wir können ja mal telefonieren und uns austauschen. Weiterhin schöne und lustvolle Flüge mit Deinem Song, bleib gesund und unfallfrei.
    Mit Fliegergruss
    Sigi Wagner
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    Hallo Sigi,
    danke für deinen Kommentar.
    Auf meiner Website (vormals UL-Segelflug.de) gibt es diese Rubrik bereits seit 2017. Die Zugriffszahlen auf die diversen Blogs sind ja eigentlich recht gut und sicherlich konnten auch schon ein paar Halter Nutzen daraus ziehen. Leider ist aber die Beteiligung in Form von Rückmeldungen und Informationen über Probleme der anderen Halter so gut wie NULL.
    Schöne Grüße aus Bad Füssing
    Klaus

  3. Hallo Klaus,
    danke für die umfangreiche Darstellung des neuen Faltpropellers. Eberhard und ich werden uns in dieser Saison Gedanken machen, ob wir umrüsten. Zunächst müssen wir aber unseren hohen Spritverbrauch klären.
    Das schöne Wetter Ende Februar hat auch uns schon 3 Starts ermöglicht. Z. Z. ist es kalt und stürmisch, fliegen mit dem Song nicht möglich.
    Grüße aus Schwerin
    Reiner
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    Hallo Reiner,
    danke für deinen Kommentar.
    Obwohl ich ja wegen der Bremsenprobleme den Prop nicht zum Stillstand und Zufalten bringen konnte, war ich insgesamt von dem „gefühlt“ ruhigeren und merklich vibrationsärmeren Lauf angetan.
    Hoffe, dass ich zum nächsten Wochenende den neuen Leitungsanschluss mit verkürzter Bremsleitung einbauen kann. Dann müsste es auch mit dem Abstellen des Motors bzw. mit dem Zusammenfalten des Props klappen. Werde darüber weiter berichten.

    Schöne Grüße aus Bad Füssing

    Klaus

  4. Hallo Klaus,
    wieder mal ein perfekter, detailierter Bericht.!!
    Und natürlich wie von dir gewohnt gezeigt, dass wenn man sich gründlich Gedanken macht,
    immer noch etwas verbessern kann.
    Was mich anbetrifft, konnte ich meinen ersten Thermikflug vor zwei Wochen machen.
    Wird wohl für längere Zeit so sein.

    Wünsche dir schöne Flüge mit deinem Klapppropeller,
    Bleib Gesund.!!!

    Schöne Grüße
    Werner
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    Hallo Werner,
    danke für deinen Kommentar. Problem mit der Propellerbremse habe
    ich gestern gefunden. War an einer Steckverbindung in Leitungsmitte
    undicht. Stückelung hat mir von Anfang an nicht gefallen, weshalb
    ich mir auch schon eine 3m lange Leitung bestellt hatte. Wird in
    Kürze ausgewechselt und ich hoffe, dass danach alles o.k. ist und die
    Bremse dann auch richtig fünktioniert.
    Aber erst mal wird ja das Wetter wieder schlechter.

    Schöne Grüße aus Bad Füssing

    Klaus

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