Landung auf dem zweithöchsten Flugplatz Deutschlands

D-MZKB_Landung-in-SonnenNa also, geht doch! „Das Kopfkino ist resettet“ und ich kann endlich wieder ganz entspannt neue Flugplätze anfliegen. Wobei, richtiger wäre wohl zu sagen: Das Kopfkino ist weitestgehend resettet. Natürlich wirkt der Propellerverlust mit anschließender Segelfluglandung auf dem kleinen Modellflugplatz von Pocking irgendwie noch nach. Aber es plärren nicht mehr sofort bei jedem kleinen Ruckeln die Alarmglocken in meinem Hirnkastl.
Bis zum völligen Übergang in den „Normalzustand“ dürfte es wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis auch der letzten Reste des „Knalltraumas“ aus den tiefsten Gehirnwindungen ausgerottet sind. Ob das schlussendlich zu 100% gelingen wird, das wird wohl erst die Zukunft zeigen.

Nun gut, man soll ja vorwärts und optimistisch in die Zukunft schauen. Nach mehreren Testflügen im unmittelbaren sowie erweiterten Gleitbereich zu meinem Heimatflugplatz Suben-Schärding, bin ich am 04. September 2020 endlich mental erneut soweit, dass i des Gummibändle zum Hoimetflugplätzle endlich wieder durchtrennen und mich von Schärding angstfrei lösen kann.

Vor mir liegt ein schöner und entspannter Überlandflug von 2 x 35 km Flugdistanz. Der seit langem geplante Flug zum zweithöchsten Flugplatz in Deutschland, dem Flugplatz Sonnen im südlichen Bayrischen Wald, soll heute endlich mit einem Eintrag in meinem Flugbuch dokumentiert werden.

D-MZKB_Streckenkarte_Schärding-Sonnen
Ich geb´s ja zu, dass ich anfangs doch noch etwas Nervosität sowie ein leichtes Grippeln im Bauch verspüre, je weiter ich mich vom sicheren Nest Schärding entferne. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mit beiden Ohren angestrengt und sehr-sehr aufmerksam, meine Lauscher nach hinten in den Motorraum ausrichte. Wie bei allen meinen Überlandflügen seit jeher praktiziert, steige ich auch diesmal wieder auf eine sichere Reiseflughöhe von 4.500 ft/MSL, wobei mir selbst bei dieser formidablen Flughöhe die schöne Landschaft von unten her langsam immer näher kommt. Kein Wunder, denn der Flugplatz von Sonnen liegt schließlich auf einer Geländehöhe von 2.700 ft/MSL = 823 m/MSL.

Zwanzig Minuten nach T/O Schärding liegt die Landebahn von Sonnen bereits gut sichtbar vor mir. Obwohl ich noch 8 km vom Platz entfernt bin. Ich melde mich bei Sonnen-Info auf der Platzfrequenz 118,960  MHz, bekomme aber keine Antwort. Drei Minuten später ein erneuter Kontaktversuch; die Antwort ist ein unverständliches Rauschen aus dem Äther.

Ein anderer UL-Flieger meldet sich in der Platzrunde zur Landung auf der Landebahn 20, womit zumindest schon mal die Landerichtung geklärt wäre. Endanflug somit über den Steinbruch direkt vor der Schwelle – hochinteressant. Ich bitte den Kollegen um Weiterleitung meiner Landeabsicht und bekomme kurz darauf die Bestätigung: „Nächste Meldung Gegenanflug auf die 20“. Ich bestätige die Anweisung und gehe direkt in den rechten Gegenanflug zur 20.

D-MZKB im rechten Gegenanflug auf Landebahn 20

Je weiter ich mich der Geländoberfläche nähere, desto störrischer verhält sich meine Kilo-Bravo in den unteren Luftschichten. Die Thermik ist von unten heraus recht gut an diesem Tag. Blau, aber stellenweise recht markant. Meine Nervosität und das Bauchkrippeln haben am „Point of no return“ bereits spürbar nachgelassen. Meine ganze Konzentration gilt jetzt der Platzrunde, dem Endanflug über den Steinbruch in dem lt. Flugplatzinfo gelegentlich Sprengungen erfolgen, sowie dem eigentlichen Landevorgang auf der mir bisher noch unbekannten, 650 m langen aber ansteigenden Asphaltbahn. Beim tiefen Überflug des Steinbruchs hoffe ich natürlich inständig, dass die Granitspalter unter mir nicht gerade eine Sprengladung zünden. Sonst fällt mir vermutlöich mein Herz vor lauter Schrecken in die Hosentasche.

Da die Sonneneinstrahlung in den westlich ausgerichteten Steinbruchkrater an diesem nahezu wolkenlosen Tag recht intensiv ist, zickt mein Song natürlich etwas widerspenstig, so dass ich mehrfach etwas kräftiger in die Ruder treten muss als sonst. Dann setzt er sich aber doch bereitwillig an der Schwelle auf die Landebahn. Ich bin etwas überrascht, wie steil die Bahn aus Richtung 20 zum oberen Flugplatzplateau hin ansteigt. Und so dauert es auch eine gefühlte kleine Ewigkeit, bis die Dächer der Flugplatzgebäude langsam vor mir aus dem Boden wachsen. Zwischen der Schwelle 20 und der Schwelle 02 liegt eine Höhendifferenz von 12 m, wobei 10 m Höhendifferenz wohl auf das erste Drittel nach der Schwelle 20 entfallen dürften. Nach dem Aufsetzen geht es somit relativ kräftig bergauf. Beim nächsten Besuch in Sonnen werde ich aus dieser Erkenntnis meine Lehren ziehen und den Aufsetzpunk bis kurz vor den Bahnknick nach oben verlegen. Das reicht meinem Schmetterling zum Ausrollen allemal.

Im Moment sind meine Kilo-Bravo und ich die einzigen „Fremdlinge“ am Platz

Da heute Freitag ist, bin ich zum Zeitpunkt meiner Landung der einzige „Fremdling“ auf dem Platz. Am Wochenende soll wohl etwas mehr los sein, wie mir Klaus der Flugleiter sagt. Dann kommen aber doch noch ein paar andere Flieger aus der Flugzeughalle, die mit viel Interesse meinen Song bestaunen. Kennen tun sie wohl den Song, aber in natura hat ihn bisher wohl noch keiner von ihnen gesehen. Klar, dass ich wieder einmal viele Fragen beantworten muss, was ich natürlich gerne tue. Schließlich hat dieser erfolgreiche kleine Streckenflug von Schärding nach Sonnen, mir endlich wieder richtig Spaß gemacht.
Nach kurzem Aufenthalt und Bezahlung meiner fälligen 6.- € Landegebühr, verabschiede ich mich wieder und verspreche, dass ich schon morgen wieder kommen werde. Schließlich hatten die Wetterfrösche für den Folgetag ebenfalls allerfeinstes Flugwetter versprochen.


Beim Abrollen von der Abstellposition vor dem kleinen Tower
, Blickrichtung rechts über die Tragfläche zum „Bayrischen Wald“


Über den Taxiway und über die Bahn zum Startpunkt 20

Über den kleinen Taxiway rolle ich nach Freigabe auf die Bahn, auf der ich dann auf dem letzten Drittel bis zur tiefer liegenden Schwelle 20 „abtauche“. Da ich dort unten im vom Gelände abgeschatteten Funkloch versinke und dort vermutlich keine Funkverbindung zur Flugleitung bekomme und außer mir kein gemeldeter Verkehr ansteht, kann ich nach Erreichen des Startpunktes 20 gemäß Absprache direkt starten. Den für mich ungewohnt steilen Anstieg der Bahn schafft mein rassiger Italiener ohne Probleme. Lange bevor wir den Bahnknick erreichen, sind wir auch schon in der Luft und steigen zügig ins Blaue Richtung Schärding. Der problemlose Flug nach Sonnen hat so richtig Spaß gemacht, so dass ich den Rückflug nach Schärding jetzt doppelt genießen kann.

Und wie zuvor versprochen, fliege ich am nächsten Tag dann noch einmal nach Sonnen, wo ich diesmal auch nicht mehr der einzige Gastpilot am Platz bin. Ein Falke, ein Trike, sowie ein Echo-Flieger haben heute ebenfalls einen Ausflug nach Sonnen gemacht. Und diesmal gönne ich mir im Flugplatzrestaurant auch ein großes Apfelsaftschorle, sowie eine dicke Portion Leberkäse mit zwei Spiegeleiern und einer Semmel. Viel zu viel für einen älteren Herrn wie mich, aber geschmeckt hat es hervorragend.

Fazit:
Sehr schön gelegener kleiner Flugplatz im südlichen Bayrischen Wald, mit guter Höhenluft in einer Höhe von 823 m/MSL, der höhenmäßig in Deutschland nur noch vom Flugplatz Wasserkuppe mit einer Höhe von 902m/MSL übertroffen wird.

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