Song-Hecksporn in „nullkommanix“ gehimmelt

Einer meiner Song-Kollegen hatte mir vor längerer Zeit berichtet, dass er beim Ausladen aus seinem Hänger einen Hecksporn abgerissen hätte. Klar, das kann natürlich leicht passieren, wenn der Flieger „schwanzwärts aus dem Hänger geschoben werden muss. Dabei bekommt man mit dem Hecksporn sehr schnell mal Bodenberührung, wenn man die Schnauze nicht tief genug herunter drückt. Kann mir gottlob nicht passieren, schließlich lade ich meinen Flieger aus meinem Hänger „schnauzwärts aus.   Außerdem „schwebt“ das Heck in sicherem Abstand von 25 cm über der Grasnabe – dafür sorgt zu jeder Zeit der eigens konstruierte Heckkuller! Über einen abgebrochenen Spornkuller brauche ich mir somit keinerlei Gedanken zu machen. Soweit die blauäugige Theorie, doch das wirkliche Leben wartet ab und zu mit Überraschungen auf, an die man bis dahin überhaupt nicht denkt. Und mit dem Heckspornknacker sollte ich dann doch viel schneller Bekanntschaft machen, als ich das je für möglich gehalten hätte.

Mein erster Flug in heimischen Gefilden. Fertig machen für den ersten Flug von Michelstadt nach Bensheim zum Rendezvous mit Tante JU. Die Flächen sind am Flieger „angesteckt“, der große Heckkuller ist entfernt. Der Zusatzakku für meine Instrumentierung ist eingebaut und angeschlossen. Fotoapparat, iPad und die Borddokumente sind im Cockpit sicher verstaut, der Kraftstofftank ist gut gefüllt. Flugzeug und Systeme sind gecheckt – es kann losgehen. Jetzt brauche ich die KB3 nur noch ca. 20 m rückwärts vom Aufbauplatz weg auf den asphaltierten Rollweg zu schieben.

Ein kraftvoller Druck mit beiden Händen auf die Schnauze, schon hebt der Schwanz vom Boden ab – und los geht´s, Schiebung schwanzwärts. Rückwärts schieben geht ganz gut, schließlich wiegt das Ding nur 120 kg. Zehn Meter bin ich schon gekommen, da rollt das linke Hauptrad unerwartet in eine kleine Erdmulde und wird dabei kurz abgebremst. Bevor ich als Gegenmaßnahme die Schnauze mit entsprechendem Gegendruck fest nach unten drücken kann, senkt sich das Heck blitzschnell ab. Und im selben Augenblick steckt der linke Sporn im Erdreich fest. Durch die Energie der Rückwärtsbewegung wird der feststeckende Hecksporn um mehr als 90° nach vorne gebogen und bricht ab. Auch die andere Seite muss dran glauben; dort biegt sich der Sporn zwar ebenfalls nach vorne um, bricht dabei aber nicht ganz ab.


So schnell konnte ich in dieser Situation beim besten Willen überhaupt nicht reagieren. Wäre das Endstück des Sporns um 3-4 cm länger und das gesamte Endstück in großem Bogen nach oben eingerollt, dann wäre der Sporn mit großer Wahrscheinlichkeit über den Boden geglitten und nicht im Erdreich stecken geblieben. Bad luck – das Ding war so in nullkommanix gehimmelt und ich musste die ersten Flüge mit nur einem Hecksporn antreten. Kein Problem, denn sobald man ins Cockpit eingestiegen ist, braucht man den Hecksporn so wie so nicht mehr. Und nach dem Ausstieg steht der Flieger vorübergehend halt „äbbes schepp uffem Schwanz„.
Klar, dass der „schepp Schwanz“ so nicht lange bleiben konnte, weshalb ich mir auch sofort zwei neue Hecksporne angefertigt habe. Zwei nicht ganz so harte und spröde Alu-Sporne waren recht schnell aus Flachalu hergestellt. Damit mich der Heckspornknacker jedoch nicht noch einmal übertölpelt, habe ich beide Sporne mit je einer kleinen Kastenrolle versehen. Wohl wissend, dass die beiden neuen Sporne am Ende etwas schwerer werden würden als das Original. Ein Plus von 51 g je Sporn, damit kann ich erst mal leben.

In Planung habe ich aber bereits, den Alusporn gegen einen GfK-Sporn zu ersetzen und auch die Rolle gegen eine leichtere Variante auszutauschen. Muss ich aber erst mal sehen, wo ich eine leichte Kunststoff- oder Carbonrolle herbekommen kann.
Interessieren würde ich mich jetzt jedoch, ob andere Song-Kameraden bereits ebenfalls Bekanntschaft mit dem „Heckspornknacker“ machen durften/mussten.
Im Übrigen habe ich bei meinem zweiten Flug nach Bensheim auch noch zwei andere Material-Überraschungen erleben dürfen, die aber zwischenzeitlich natürlich ebenfalls bereits beseitigt sind. Doch dazu in meinem nächsten Beitrag natürlich mehr.

Beitrag erstmal am 17. September 2017 auf UL-Segelflug.de veröffentlicht

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