Motorvibrationen größer als sonst?

Bei meinem letzten Flug hatte ich das blöde bzw. ungute Gefühl, dass mein kleiner Italiener hinter mir mehr Motorvibrationen erzeugt, als dies bisher der Fall war. Und die Vibrationen fielen mir ausgerechnet im Drehzahlbereich 5.800 – 6.200 Rpm auf. In einem Drehzahlbereich, in dem ich bisher das Gefühl hatte, dass er dort sehr rund und vibrationsarm läuft. Oder hatte ich mir das alles nur eingebildet und die Flöhe husten hören? Nach der Landung war jedenfalls eine eingehende Motorkontrolle inkl. aller Dämpfungsblöcke angesagt. Nach dem Abstellen des Motors und der anschließenden Sichtkontrolle war die Ursache der Vibrationen auch sofort gefunden. Ich hatte mir also nichts eingebildet – die verstärkten Vibrationen waren real. Die Befestigungsschelle des Wasserbehälters war auf einer Seite direkt am Befestigungsbolzen abgerissen, so dass der Wasserbehälter kräftig in Schwingungen kam. Zum Glück wurde der Behälter auch weiterhin von den beiden Wasserschläuchen gehalten, so dass er sich nicht nach hinten und durch den Propeller „verabschiedet“ hat. Klar, dass dabei der Propeller wohl in Stücke geflogen wäre, weitere Beschädigungen nicht ausgeschlossen.

Nun gut, Schellenbrüche kommen auch bei den besten Flugzeugschmieden wie z. B. Airbus oder Boeing vor. Schelle muss gewechselt werden und fertig. Wobei ich mir als Techniker natürlich weitergehende Gedanken gemacht habe, ob es vielleicht nicht sinnvoll wäre, zwischen die Schelle und den Befestigungswinkel einen Gummi-Dämpfungsblock einzubauen. Damit würden die Behälterschwingungen, die unweigerlich beim Motorlauf entstehen, an dieser Stelle gedämpft werden und die Motorvibrationen würden so nicht direkt über eine feste Bolzenverbindung in die Schelle eingeleitet werden. Vielleicht gibt es aber auch noch eine andere Lösung, mal sehen.
Auf jeden Fall bedeutet die neue Erfahrung für mich, dass in jedem Fall nach jedem Flug eine eingehende Sichtprüfung des Motors sinnvoll ist, was ich in der Vergangenheit auch immer gemacht habe.
Zumindest sollte dieser Vorfall für jeden Halter ein Grund sein, diese ganz spezielle Befestigungsschelle besonders im Auge zu behalten. So hat man eine gute Chance, einen Riss bereits frühzeitig in der Entstehungsphase zu erkennen, bevor er vollends durchgelaufen ist.

Bei genauerer Betrechtung der Bruchstelle ist zweifelsfrei zu erkennen, dass der Bruchverlauf in den oberen 2/3 der Schelle schon etwas älter ist. Sieht angeschwärzt aus, während das untere Drittel noch relativ sauber ist. Dieser Sachverhalt ist für mich ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der Riss nicht beim letzten Flug entstanden ist, sondern sich im Verlauf der letzten Flüge gebildet haben muss.
Auf jeden Fall würde ich jedem Halter dringend empfehlen, sich diese Stelle vor dem nächsten Flug einmal etwas genauer anzuschauen. Zur genaueren Beurteilung sollte aber auch der Befestigungsbolzen einmal entfernt und die Schelle an den beiden 90°-Kröpfungen eingehend auf Rissbildung geprüft werden.
Interessant wäre auch zu wissen, ob dieser Fall auch schon bei anderen Haltern aufgetreten ist.

Beitrag erstmals am 17. Oktober 2017 auf UL-Segelflug.de veröffentlicht

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